ERKLÄRUNG
zum Ende der deutschen Beteiligung am NGO-Ostseenetzwerk (Albert Caspari, Ausschnitt aus "Baltische Stunde" vom 16.März 2010, mp3-Datei)

declaration of German Focal Point
Ostseekooperation - eine spannende Aufgabe von Mensch zu Mensch, in einem sich verändernden Europa!
Seit dem Jahr 2001 finden regelmäßig parallel zur Präsidentschaft im Ostseerat internationale Treffen von Nichtregierungsorganisationen (engl.: NGOs) aus den Ostseeanrainerstaaten statt. Dabei sind nicht nur Vertreter/innen von Initiativen aus EU-Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Polen, Dänemark, Schweden, Finnland, Estland, Lettland und Litauen dabei, sondern auch NGO-Aktive aus Norwegen, Island, Russland, und gelegentlich auch Gäste aus weiteren Nachbarstaaten.

Diese internationalen Treffen finden unter der Bezeichnung BALTIC SEA NGO FORUM statt. Zum einen werden dabei übergreifende Fragen wie Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung oder soziale Fragen diskutiert, zum anderen aktuelle Themen aus der NGO-Arbeit zur Sprache gebracht, wie auch Projekterfahrungen und Kooperationsanfragen, oder einfach Kontakte und Informationen ausgetauscht.

Das Ostseenetzwerk der Nichtregierungsorganisationen (NGO-Netzwerk) setzt sich dafür ein, dass auch die engagierten Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern Gehör und ein FORUM zur Zusammenarbeit finden, und zwar über die rein fachliche Zusammenarbeit hinaus. Die BALTIC SEA NGO FOREN 2001 bis 2009 wurden von den NGOs selbst organisiert - dazu dienen Vorbereitungstreffen der Länderkoordinator/innen (Focal Points). Im Auftrag eines Kreises von deutschen Nichtregierungsorganisationen, die Kooperationen im Ostseeraum betreiben oder sich dafür interessieren, nahm der Verein INFOBALT diese Koordinierungsfunktion im NGO-Ostseenetzwerk wahr (Focal Point). Links können Sie Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen der Jahre 2001 bis 2009 abrufen. Die letzte Veranstaltung dieser Art war bisher das 8.BALTIC SEA NGO FORUM im März 2009 in Helsingör / Dänemark.

Broschüre "The Baltic Sea NGO-Netzwork 2009 (PDF)

ANMERKUNG
Das von einer Projektgruppe der Humboldt-Universität Berlin 2012 im Rahmen der vom Auswärtigen Amt organisierten "Ostseetage" organisierte "NGO FORUM" hat keinerlei Bezug zur deutschen NGO Ostseeinitiative. Durch den Versuch, kurzfristige Interessen des Auswärtigen Amts im Rahmen dieser Veranstaltung zu bedienen, können die Arbeitsbedingungen der NGOs nach unserer Meinung nicht verbessert werden. Einige NGOs haben sich daher ausdrücklich von dieser Veranstaltung distanziert. Ob es nach 2012 wieder einen gemeinsamen Ansatz deutscher NGOs zur Ostseekooperation geben wird, hängt nicht zuletzt von unseren auf diesen Seiten geschilderten Arbeitsgrundsätzen ab. Ein ganz wesentlicher davon ist nach wie vor, dass ein Netzwerk von NGOs nur in Verantwortung der NGOs selbst organisiert werden kann - und nicht im Auftrag von Regierungen nach deren Wunschvorstellungen, so wie es 2011/2012 im Rahmen der deutschen Ostseeratspräsidentschaft praktiziert wurde.
Erklärung zur Zukunft der NGO-Ostseekooperation
Am 16./17.April 2010 findet in Vilnius / Litauen eine Veranstaltung statt, die sich als Fortführung der NGO OSTSEE-FOREN darstellt. Veranstalter ist das NGO Zentrum Vilnius in Zusammenarbeit mit dem litauischen Aussenministerium (Litauen hat 2009/2010 die Präsidentschaft im Ostseerat). Verschiedene Gründe haben uns dazu bewogen, die Koordinationsfunktion (Focal Point) im NGO Ostseenetzwerk mit Wirkung zum 1.März 2010 niederzulegen. Diese sind vor allem: 
-- den in Litauen benannten Verantwortlichen für die Organisation dieser Veranstaltung sind offenbar die meisten der gemeinsam von den NGOs erarbeiteten Grundsätze des NGO-Netzwerks völlig unbekannt. Die Art der Vorbereitung zeigt jedenfalls deutlich, dass diese erheblich verletzt werden. Leider sind auch die uns gut bekannten und bisher für die Zusammenarbeit zuständigen Personen (bisherige NGO-Partner in Litauen) offenbar gar nicht an der Vorbereitung beteiligt worden.
-- die Kommunikation unter den Focal Points zur Abstimmung über Inhalte und Schwerpunkte der litauischen Veranstaltung fand monatelang gar nicht statt, da es auf litauischer Seite keine Ansprechpartner und kein Interesse dafür gab. Das NGO Zentrum Vilnius sah sich nicht in der Lage, überhaupt Vorbereitungstreffen zu veranstalten. Auf diese Weise wurde es auch schwerig bis unmöglich, gemeinsame Strategien zur Finanzplanung zu entwickeln.
-- entscheidend war vor allem, dass sich aufgrund dieser nicht vorhandenen Möglichkeiten zum Informations- und Erfahrungsaustausch sich nur eine Minderheit der Focal Points in der Lage sah, sich "virtuell" an den Vorbereitungen zu beteiligten. Trotz sehr weniger inhaltlicher Vorschläge wurden Vorschläge zu Arbeitskreisen, Referent/innen und inhaltlichen Schwerpunkten von litauischer Seite pauschal abgelehnt. Dies entspricht unserer Ansicht nach nicht dem Geist der Gemeinsamkeit und des interdisziplinären Austausches, von dem die bisherigen NGO FOREN geprägt waren.
-- der Verein INFOBALT bedauert insbesondere, unser besonderes Interesse an einer Verbesserung auch des deutsch-litauischen Austausches nicht mit getragen wurde. Unserer Ansicht nach wäre die Veranstaltung sehr geeignet gewesen, hier unterschiedliche Erfahrungen zu diskutieren. Leider wurden entsprechende Vorschläge von litauischer Seite ebenfalls pauschal abgelehnt.

Aus diesen Gründen erübrigt sich die Frage nach einer Koordination deutscher NGO-Interessen im bisher existierenden NGO-Ostseenetzwerk fast von selbst. Wo alle Möglichkeiten zu Austausch und gemeinsamen Konzepten und Vorgehensweisen genommen werden, hat ein Focal Point seinen Sinn und Zweck verloren. Die Perspektive, dass beliebige Veranstalter eine eingeführte Veranstaltung nur im eigenen Sinne umfunktionieren, evtl. in Abstimmung eher mit ihren staatlichen Behörden (Ministerien) als mit ihren Kolleginnen und Kollegen (NGOs), ist für uns nicht akzeptabel. Daher legen wir die Funktion eines deutschen FOCAL POINT im Rahmen des NGO-Ostseenetzwerks zum 1.März 2010 nieder. Wir sind allerdings weiterhin offen für andere Wege und Konzepte der Ostseekooperation zwischen Vereinen, Bürgergruppen und Initiativen - allerdings müssen wir dafür wohl offenbar neue Wege suchen.
(gz. für den Verein INFOBALT: Albert Caspari)

Ansprechpartner für Rückfragen zum Thema NGO-Ostseenetzwerk:
Verein INFOBALT, Albert Caspari, 28217 Bremen;  Email >post[at]cbss-ngo.de<.